Mike Oldfield – The 1984 Suite (Vinyl)

0

The 1984 Suite(37:40, LP + Download, Universal, 2016)
Es gibt Interpreten, die machen es Rezensenten und Fans wirklich nicht leicht. Einerseits weiß man um ihr Talent, kennt und schätzt ihre fraglos epochalen Meisterwerke – und trotzdem überraschen sie immer mal wieder mit äußerst fragwürdigen Veröffentlichungen. Mike Oldfield fällt leider in diese Kategorie.

Nicht nur „Tubular Bells“, „Ommadawn“ oder „Hergest Ridge“ sind zeitlose Klassiker. Oldfield hat in über vierzig Jahren etliche beachtenswerte Erfolge erzielt, sowohl im Prog als auch im Pop. Seit einiger Zeit veröffentlicht er nach und nach seinen gesamten Backkatalog remastert. Ende Januar sind die 1984er-Veröffentlichungen „Discovery“ und der Soundtrack zu dem Film „The Killing Fields“ neu erschienen, dazu gehört auch „The 1984 Suite“. Auf CD ist sie Teil der Deluxe-Ausgabe von „Discovery“, auf Vinyl hingegen erscheint sie als separates Album. Das Wörtchen „Suite“ weckt bei Oldfield-Fans natürlich gewisse Erwartungen, sind es doch gerade die epischen Werke, wofür sie ihn lieben. Zwar war bereits bekannt, dass diese Suite nicht gänzlich neu ist und aus bereits veröffentlichtem Material zusammengemischt wurde, aber einen gewissen Mehrwert durfte man doch erwarten. Sobald sich jedoch die Nadel auf die schwarze Scheibe senkt, macht sich Ernüchterung breit. Teil eins der Suite beginnt mit ‚To France‘, der Hit-Single von „Discovery“. Unterschiede zur Albumversion kann man allenfalls erahnen. Anschließend wird zu ‚The Lake‘ überblendet. Dessen Mix unterscheidet sich an manchen Stellen hörbar von der Originalversion und ist auch eine gute Minute länger. Daran schließt sich dann noch das kurze ‚The Killing Fields‘ an.

Der zweite Teil der Suite besteht aus vier Titeln, die zum Teil ebenfalls ineinander geblendet werden. Den Anfang macht ‚Étude‘, gefolgt von ‚The Royal Mile‘. Dahinter versteckt sich eine Überarbeitung der Single-B-Seite ‚Afghan‘. Das folgende ‚Zombie‘ hingegen ist eine, sagen wir mal, „humorvolle“ Überarbeitung von ‚Poison Arrows‘.

Der Titel ‚Discovery‘ beschließt den zweiten Teil der Suite. Dass hinter deren Zusammenstellung sonderlich viel Arbeit oder gar ein größerer künstlerischer Anspruch steht, darf man durchaus bezweifeln. Einem nachvollziehbaren Konzept folgt sie jedenfalls nicht, und besonders im zweiten Teil sind die Übergänge recht lieblos gewählt. Von einer Suite im klassischen Sinn kann man nicht sprechen.

Im Grunde ist „The 1984 Suite“ das, was Wolle Petry einen „Mega-Mix“ nennt. Auf einen durchgehenden Discofox-Beat hat Mike Oldfield allerdings freundlicherweise verzichtet. Ob man hier nun von Ettikenschwindel sprechen möchte oder nicht, sei dahingestellt. Einen allzu großen Kaufanreiz geben das Material und die Art seiner Zusammenstellung jedenfalls nicht her. ‚Zombies‘ wird den einen oder anderen Fan eher abschrecken. Bleibt zu erwähnen, dass zumindest die Fertigungsqualität der LP einwandfrei ist.
Bewertung: 5/15 Punkten (DH 5, KR 5)

Surftipps zu Mike Oldfield:
Homepage
Twitter
Facebook
Spotify
„The 1984 Suite“ (Deluxe/Remastered ’15) = „CD2“ von „Discovery“) @ Spotify
YouTube
Deutschsprachiges Fan-Forum

Teilen.

Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

Kommentar verfassen