Martigan – Distant Monsters

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DistantMonsters(75:01, CD, Progressive Promotion, 2015)
Martigan knüpfen mit ihrem „Monster“-Output (75 Minuten Spielzeit!) nahtlos an den Vorgänger „Vision“ an – stilistisch wie qualitativ. Was bedeutet: Die Band führt ihren eigenen Stil mit sanften Veränderungen fort, erfindet sich also nicht neu. Sie hat mit Sänger Kai Marckwordt ein Markenzeichen mit hohem Wiedererkennungswert und kann, auf das spieltechnische Können aller Bandmitglieder bauend, nun ein weiteres hochklassiges, klanglich gut produziertes NeoProg-Album präsentieren. Dabei gelingt es den Rheinländern mittels wohliger Harmonien und feiner Instrumentalteile auch in längeren Tracks, den Spannungslevel hoch zu halten. Überwiegend eingängig, jedoch nie platt oder langweilig gehen Martigan zu Werke – so wie man es von ihnen gewohnt ist.

Wirkt der Einstieg im Opener ‚Theodor’s Wall‘ noch etwas bedächtig oder behäbig, geht die Nummer mit deutlich mehr Schmackes in die zweite Hälfte ihrer zwölf Minuten Laufzeit. Und spätestens nach dem ersten feinen Gitarrensolo von Björn Bisch, serviert auf einem der typischen, weichen Keyboardteppiche von Oliver Rebhan, ist der Hörer im Album richtig angekommen. Eine gelungene Abrundung erfährt der Titel durch den Einsatz „spanischer“ Gitarre. Danach läuft die Scheibe zu Hochform auf: ‚Lion‘ – schon wieder mit einem Bisch-Solo zum Niederknien – und die gnadenlos gefühlvoll (mit an PFM erinnernden Pianoläufen) arrangierte und gesungene Vorzeige-Ballade ‚Simplicius‘ zeigen Martigan „at its best“. Ein wahrer Ohrenschmeichler!

Der Longtrack ‚The Lake‘ überrascht mit etwas ungewöhnlichem Rhythmus und ist mit einem leicht relaxt-jazzigen instrumentalen Mittelteil versehen. Rebhan sorgt  mit der Hammond für viele schöne Retro-Momente , Bassist Mario Koch kommt gut zur Geltung, und Alex Bisch besticht nicht nur hier durch großartiges Drumming-Gefühl. Höhepunkt des Albums ist wohl ‚Fire On The Pier‘, das gleich recht schwungvoll beginnt, mit dem eingängigen Refrain nicht allzu lange hinterm Berg hält und wirklich alles bietet, was Fans an Martigan mögen. Vom Spiel des „Gitarrengottes“ Björn Bisch wird der Hörer regelrecht verzaubert!

Eine Ballade als „Rausschmeißer“? Warum nicht!? ‚Take me or Leave me‘ fällt unter die Rubrik “Besinnliches zum Jahreswechsel” – angesichts des Release-Zeitpunktes durchaus passend. So endet „Distant Monsters“ fließend, schwebend und in sphärischer Ruhe. Glückwunsch zu einem sehr gelungenen, weil höchst unterhaltsamen und abwechslungsreichen Album. Klare Kaufempfehlung!
Bewertung: 12/15 Punkten (KB 11, KR 11, JW 12, KS 11)

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Über den Autor

Jürgen Wissing

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Martigan – Distant Monsters

von Jürgen Wissing Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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