Kaipa – Solo + Händer + Nattdjurstid (3 CDs)

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Kaipa - Solo(50:29/41:07/53:44, 3CD, Tempus Fugit, 1978/1980/1982/2015)
Die Wiederveröffentlichungen von Kaipa gehen in die zweite Runde. Chronologisch liegen nun die drei Alben „Solo“ (1978), „Händer“ (1980) und „Nattdjurstid“ (1982) als remasterte Ausgaben vor. „Solo“ war bereits bei Musea als CD mit Bonusmaterial erschienen, außerdem ohne zusätzliche Titel in der von InsideOut Music veröffentlichten, nicht mehr erhältlichen Box „The Decca Years 1975-1978“. Die beiden anderen Alben feiern hier ihre CD-Premieren.

Als Kopf der Band, die seit 2000 in veränderter Besetzung wieder besteht, fungierte seit jeher Keyboarder, Sänger und Haupt-Songschreiber Hans Lundin. Daneben bestimmte zu Beginn Roine Stolt (The Flower Kings , Transatlantic) maßgeblich den Sound der schwedischen Band, die er nach „Solo“ verließ. Sein Weggang bedeutete einen stilistischen Bruch, denn während „Solo“ mit gewissen Abstrichen noch zu den progressiv-sinfonischen Klassikern aus Skandinavien gezählt werden kann, ging es nachfolgend wesentlich geradliniger und rockiger zu. „Solo“ erreicht zwar nicht ganz die Klasse des zeitlosen Vorgängers „Inget Nytt Under Solen“, doch die groovigen, samtenen Arrangements stecken voll schöner Melodien und punkten mit einigen gefühlvollen Gitarrensoli von Roine Stolt und dem angenehmen, in Landessprache gehaltenen Gesang des damaligen Neuzugangs Mats Löfgren. Auch die diversen Instrumentals wissen zu gefallen, und gegen Ende des Albums wird nochmals richtig wuchtiger sinfonischer Bombast aufgefahren.

Kaipa - Händer „Händer“ steht in jeglicher Hinsicht für Veränderung. Man hatte die Plattenfirma Decca verlassen und war zu Polar Music (dem legendären Label von ABBA) gewechselt. Roine Stolt und Mats Lindberg hatten sich verabschiedet, wobei Letzterer Kaipa allerdings als Gastmusiker verbunden blieb. Zudem setzte Bandleader Hans Lundin, hauptsächlich dem damaligen Zeitgeist geschuldet, komplett auf Synthesizersounds und verzichtete so z.B. auf die Hammondorgel, was sich leider etwas negativ auf die Klangfarbe auswirkte. Das Songmaterial lässt zwar immer noch sinfonische Ansätze und Elemente erkennen, doch fehlt es an dramatischen, ergreifenden Momenten. Das gesanglastige Songmaterial tendiert stark in Richtung Rock, Pop und AOR, es lässt sogar ganz leichte New-Wave-Tendenzen erkennen. Insgesamt ein ordentliches Album, das in einigen wenigen Momenten noch zeigt, welches progressive, sinfonische Potenzial inKaipa - Nattdjurstid der Band steckt.

Mit wiederum verändertem Line-up versuchte „Nattdjurstid“ auf den damals aktuellen New-Wave-/Synth-Pop-Zug aufzuspringen. Kaipa schielten dabei noch mehr nach Kommerzialität, was in ein etwas unausgegoren, orientierungslos wirkendes und recht steril klingendes Album mit deutlich dominanten Gitarren und einigen platten „ahahaha“-Chorgesängen mündete. Einziger Pluspunkt: Hin und wieder weisen die Arrangements Ecken und Kanten auf, ist durchaus der Wille erkennbar, etwas Neues auszuprobieren. Weil Kaipa damals keinen Plattenvertrag hatten und Geld fehlte, entstanden alle Aufnahmen im eigenen Proberaum. Leider fehlte es an guten Ideen und in sich schlüssiger Stilistik. Zudem hatte sich die Band komplett von ihrer Vergangenheit verabschiedet – vielleicht folgerichtig, dass ein Titel ‚Identitetskris‘ lautete. Die halbgare und erfolglose Neuorientierung führte zum endgültigen Split der Band. Für die digitale Neuauflage wurde ein komplettes Remixing durchgeführt, zudem enthält sie drei Bonustracks, die nicht ihren Weg auf das Originalalbum gefunden hatten. Trotzdem bleibt „Nattdjurstid“ definitiv das Album, das inhaltlich und hinsichtlich der Erwartungshaltung am wenigsten mit dem Namen Kaipa zu tun hat.

Insgesamt verleiht das Remastering allen Alben einen wesentlich druckvolleren Anstrich. Das informative Booklet und überarbeitetes Artwork ergänzen die CDs perfekt.
Bewertung: „Solo“ 11/15 Punkten (JM 12, KR 10, KS 11), „Händer“ 7/15 (JM 8, KR 7, KS 7), „Nattdjurstid“ 4/15 (JM 3, KR 3, KS 4)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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