Casualties of Cool – Casualties of Cool

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Casulties Of Cool - Casulties Of Cool(73:53, CD, InsideOut Music/Universal, 2016)
„Die Ursprünge sind verwurzelt in allgemeiner Frustration. Frustration über die Lautstärke.“ So umschreibt Devin Townsend den Ansporn für sein bereits 2014 veröffentlichtes Projekt „Casualties of Cool“, das jetzt nochmals u.a. als Special Edition im 2CD/DVD-Digipak (mit einem Livemitschnitt) aufgelegt wurde. Wer den umtriebigen Kanadier mit allen seinen musikalischen Facetten kennt, den wird die stilistische Ausrichtung dieses Albums nicht gänzlich überraschen. Gelegenheitshörern bietet sich jedoch musikalisch ein komplett anderes Bild, als man es vielleicht erwartet: kein Metal, kein Bombast, keinerlei Übertreibung oder überdrehter Gesang, sondern ein sehr spartanisches, meist akustisches Album mit deutlichen Country-, Rockabilly- und Folk-Einflüssen und jeder Menge düsteren, atmosphärischen Klängen. Es ist eine Reise zu seinen eigenen Ursprüngen, zu seiner Jugend, als zu Weihnachten sein Großvater mit der ganzen Familie alte Johnny-Cash-Songs und irische Folkweisen trällerte. Doch keine Angst: Diese Inspiration wird in echter Devin-Townsend-Manier in eine etwas andere Richtung gelenkt.


Am ehesten mit dem ebenfalls sehr ruhigen „Ki“-Album aus dem Jahr 2009 vergleichbar, ist „Casualties of Cool“ noch eine Spur schwebender – eine Art lässige, überaus coole Gute-Nacht-Musik vor dem Kamin- bzw. Lagerfeuer. Eine weitere Verbindung zu „Ki“ bildet die wunderbare Stimme von Ché Aimee Dorval, die einige Stücke mit ihrem mal ätherischen, mal überaus ergreifend klingenden Gesang verfeinert. Ebenfalls dabei: Morgan Ågren (u.a. Mats/Morgan Band, Kaipa), dessen gelegentliches Schlagzeugspiel die Musik sehr sparsam und ruhig  vorantreibt. Einziges Manko dabei: Das Tempo wird nur wenig variiert, was dem Album zwar einen steten, munter vorantickernden Fluss verleiht, auf Dauer aber eine gewisse Gleichförmigkeit hervorruft. Obwohl „Casualties of Cool“ rein virtuell entstand und die beteiligten Musiker ihre Aufnahmen über die Kontinente hinweg austauschten, entstand ein sehr intimes, in  sich gekehrtes Album, das nach einer gemeinsamen Session klingt. Erstaunlich, dass sich man sich erst später persönlich traf, um einige Konzerte in Europa zu spielen.


Im Verlauf des Albums verschwimmen die folkloristischen Elemente immer mehr. Düsterer Ambient mit World-Music-Anklängen und teils nur noch angedeuteten Melodien gewinnt die Oberhand, der aber glücklicherweise nicht ganz die Ruhe und Minimalistik von „Ghost“ (2011) erreicht – hier sind immer noch echte Songs zu erkennen. Und so ganz kann der liebe Devin doch nicht aus seiner ‚The Mad Professor’-Haut: Hin und wieder schleichen sich auch ein paar schräge Saxophon-Akkorde ein, finden sich einige mehrstimmige, voluminöse Vokal-Arrangements, und bei ‚The Bridge’ bricht ganz kurz der Bombast durch.

Zum Gesamtkontext passen die düsteren Texte, die von Angst, Verlust, aber auch vom Mut sich eigenen Dämonen zu stellen handeln. In der Kritik eines Kollegen stand als stilistische Beschreibung etwas von „Space Country“, was dieses etwas andere, sehr verträumte, wunderschöne, fast schon meditative Album mit seinem sparsamen, aber fesselnden Kopfkino-Sound eigentlich sehr gut beschreibt.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 11, KS 11)

Surftipps zu Casualties Of Cool:
Homepage
Spotify
InsideOut Music
YouTube (full album)
PledgeMusic

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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