Johannes Luley, Perfect Beings, zu „II“

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Perfect Beings_BandWie kürzlich bereits angekündigt, hatten wir am Sonntag, dem 25. Oktober, Gelegenheit Johannes Luley, Gitarrist und Produzent von Perfect Beings via Skype zum zweiten Album („II“) des Quintetts aus L.A. zu befragen. Aufgrund der Zeitverschiebung hatte Johannes, gut gelaunt, den Sonntag noch vor sich, während meiner bereits in den letzten Zügen lag. Leider konnte entgegen der ursprünglichen Planung Ryan Hurtgen nicht mit von der Partie sein, sodass die textliche Seite von „II“ leider etwas in den Hintergrund treten musste. Dafür gab Johannes in der folgenden Stunde ausgiebig Auskunft über Aufnahme, Produktion und Vermarktung des Albums sowie über derzeitige bzw. zukünftige Pläne der Band.

Hallo Johannes, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu Eurem tollen neuen Album. Es hat mich sehr gefreut, dass ich einer der ersten Hörer sein durfte, und es war während meines Urlaubs auf Rhodos praktisch in Dauerrotation in meinem Player.

Danke, danke, gern geschehen. Dein Review auf hat uns auch sehr gut gefallen.

largeIhr habt für Euer neues Album eine Crowdfunding-Kampagne auf Pledgemusic initiiert. Das ist heutzutage ja eine weit verbreitete Vorgehensweise, um ein Projekt zu finanzieren und zu promoten. Welche Erfahrungen habt Ihr denn gemacht? Ich hatte den Eindruck, dass die Aktion etwas zäh angelaufen ist und erst in der letzten Phase das vorgegebene Ziel erreicht wurde. Seid Ihr denn mit dem Erfolg der Kampagne zufrieden?

Ja sicher, denn wir haben das Ziel erreicht. Im Grunde war es ein Pre-Sale der CD, mit dem wir die Herstellungskosten decken konnten. Wir wollten keine Kompromisse machen und ein hochwertiges Produkt in Händen halten. Das ist für uns ebenso wichtig wie unsere Musik und deren Produktion. Und das hat letztlich auch seinen Preis. Das i-Tüpfelchen wäre natürlich die 150%-Marke der Kampagne gewesen, die uns die Herstellung einer Vinylausgabe erlaubt hätte. Das hat leider nicht geklappt. Aber wer weiß, vielleicht gibt es in Zukunft noch eine Möglichkeit das nachzuholen.

Also einen Käufer hättet ihr definitiv schon.

Wie du schon sagtest, der Pre-Sale fing relativ träge an. Uns ist sehr schnell klar geworden, dass das kein Selbstläufer wird. Es mussten wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um die Sache publik zu machen und möglichst viele Fans zu erreichen. Da musste sich wirklich jeder von uns hundertprozentig engagieren. Wir haben einen sehr hohen Aufwand betrieben – das war anstrengend, aber es hat sich gelohnt.

Das glaube ich gerne. Mein Exemplar ist in der vergangenen Woche auch eingetrudelt. Ich gebe Dir recht: Artwork und Verpackung stehen der Musik in nichts nach. Womit wir bei der nächsten Frage wären. Dem Booklet kann man ja entnehmen, dass die Stücke häufig auf Grundideen von Ryan basieren. Wie darf man sich das vorstellen? Wann kommt die Band ins Spiel?

Ja, Ryan hat immer eine Menge Ideen. Oft haben sie ganz übliche Strophe/Refrain/Strophe-Strukturen, die ich dann im Studio gerne in ihre Einzelteile zerlege und neu zusammensetze. Für Demoversionen nehme ich auch schon mal einzelne andere Instrumente auf. Bei den Schlagzeugparts hab ich dieses Mal von Anfang an mit Dicki zusammengearbeitet. Für die Zukunft ist es in jedem Fall das Ziel, auch Chris und Jesse noch früher in den Entstehungsprozess der Songs einzubinden.

In diesem Zusammenhang finde ich, ist es erwähnenswert, dass ihr schon einen sehr eigenen, natürlichen Sound habt, aus dem man den einen oder anderen Einfluss zwar heraushören mag, der aber eine starke eigene Identität hat. Umso verwunderlicher finde ich es, dass in etlichen Reviews zu eurem Album ein derartiges Namedropping betrieben wird.

Johannes LuleyDanke, dass du das erwähnst. Das geht mir ähnlich. Ich meine, jeder Musiker hat seine Einflüsse, auch ein Steve Howe. In seinem Fall zum Beispiel Chet Atkins, Wes Montgomery und Jimmy Bryant. Ich wundere mich häufig, welche Hausnummern da zum Vergleich aus dem Hut gezaubert werden. Teilweise sind das Namen, von den ich noch nie etwas gehört habe, ganz zu schweigen von deren Musik. Ich bin so ein Mensch, der seit seiner frühesten Jugend alle Musik aufgesaugt hat. Da kommt ganz selbstverständlich auch wieder etwas davon heraus. Das ist ganz natürlich.

Viele aktuell aktive Prog-Bands haben gerade was die Gitarrenarbeit angeht so eine Art Heavy-Attitüde, also verzerrte Riffs oder Sounds, die man eher dem Metal zuordnen würde. Das findet in eurer Musik überhaupt nicht statt.

Das ist richtig. Überhaupt, ich bin über die Jahre hinweg, was meinen Sound betrifft, ein ziemlicher Purist geworden. Es ist so eine Entwicklung. Meine ürsprünglichen Wurzeln liegen im Prog. Ich habe aber früher, noch in Deutschland, sogar mal in einer Metal-Band gespielt und später in San Francisco in einer Grunge-Formation. Erst bei Moth Vellum bin ich dann wieder beim Progressive Rock angekommen.

Gerade habt Ihr ja ein Video zu ‚Rivermaker‘ veröffentlicht. Beeindruckende Naturaufnahmen und auch ein starker Kontrast durch die Aufnahmen der Naturkatastrophen und Umweltverschmutzung. Wie ist das Video entstanden?

Ryan hat im Sommer bei seinem Vater in Missouri gearbeitet. Dort hat er das Video zusammen mit einem Freund gefilmt – dem Regisseur Chris Renteria. „Global warming“ ist inzwischen ein großes Thema hier. Die Sequenz mit der amerikanischen Flagge an dem überschwemmten Baum symbolisiert diese Thematik. Ich habe das Video dann zusammen mit Chris online nur noch etwas getuned.

Da das Album jetzt auf dem Markt ist, gibt es eurerseits denn Pläne für eine Tour oder einzelne Auftritte? Wir in Deutschland würden uns natürlich freuen, eine Band wie Perfect Beings auf der Loreley bei der Night Of The Prog sehen zu können…

Wir spielen im kommenden Jahr auf dem RosFest in Gettysburg, das vom 6. bis 8. Mai stattfindet. Wir haben uns auch zusammengesetzt und beschlossen, hier in L.A. und Umgebung Gigs zu spielen. Was Auftritte in Europa oder Deutschland angeht, waren die Reaktionen von Veranstaltern bislang sehr zurückhaltend. Wenn wir einen Auftritt beim NotP-Festival hätten, würden wir das natürlich gerne mit einer Tour verbinden. So etwas müsste aber sehr gut geplant und organisiert sein. Für irgendwelche Abenteuer sind wir zu alt (lacht). Wir müssen abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Der Pre-Sale hat gezeigt, dass wir insbesondere in den Niederlanden, Deutschland und Großbritannien schon eine Fan-Basis haben. So gesehen stehen die Zeichen nicht schlecht.

Wo du Holland gerade erwähnst, die dort ansässige Plattform Progstreaming.com streamt euer Album gerade als Top Feature. Inwieweit wirkt sich eine solche Aktion auf eure Verkäufe aus?

In jedem Fall positiv. Uns ist natürlich klar, dass manche Besucher sich ein Album wirklich nur dort anhören, im Grunde so wie auf Spotify. Aber natürlich entscheiden sich andere Hörer, wenn sie unsere Musik kennenlernen, für den Kauf unserer CDs. Die Bezugsquellen sind ja direkt verlinkt. Markwin Meeuws ist ein wirklich netter Kerl. Und er hat da eine erfolgreiche Seite aufgebaut. Für uns ist das eine sehr gute Promotion.

Auf Progstreaming Classic ist ja im Rahmen des Features auch euer erstes Album zu hören. Wo kommt denn der Song ‚Salvador‘ her? Auf der CD ist er ja nicht mit drauf.

‚Salvador‘ ist Teil der HD-Downloadversion. Markwin wollte gerne eine Art Goodie drauflegen, um die Aufmerksamkeit zu steigern. Also haben wir ‚Salvador‘ als Bonus-Track mit dazu gepackt.

Letzte Frage Johannes, ein kleiner Ausblick: Wo soll es hingehen mit Perfect Beings? Welche Ziele habt Ihr euch für die Zukunft gesteckt?

Wir wollen in jedem Fall den Bekanntheitsgrad der Band weiter steigern. Live-Aktivitäten hatte ich ja schon erwähnt. Beim nächsten Album wollen wir als Band noch früher, noch enger zusammenarbeiten und unseren Stil weiter verfeinern. Konkret kann ich da aber noch gar nichts sagen. Jetzt werden wir erst einmal das aktuelle Album weiter promoten und sehen, was sich daraus eventuell ergibt.

Vielen Dank, wir drücken Euch die Daumen und hoffen, dass es mal mit einem Gig in „Good old Germany“ klappt. Und ich persönlich hoffe weiterhin auf Vinyl. Viele Grüße an Ryan und die anderen Jungs. Einen schönen Sonntag noch, meiner ist ja fast vorbei.

Wir bedanken uns, war ein nettes Gespräch. Bis bald …

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Fotos: Pressefreigaben

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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Johannes Luley, Perfect Beings, zu „II“

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 6 min
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