Procol Harum – Procol Harum/Shine On Brightly/A Salty Dog/Home (Wiederveröffentlichungen)

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PH_ersten4(2 CD – 69:32/64:05, 3 CD – 49:31/38:35/52:59, 2 CD – 40:33/48:14, 2 CD – 39:05/42:45; Cherry Red Records/Esoteric Antenna; 1967,1968,1969,1970/2015)

Der seit 1978 bestehende britische Musikvertrieb Cherry Red Records mit Sitz in London veröffentlicht unter dem Label /Esoteric Antenna im Jahre 2015 erneut die schon x-mal wiederveröffentlichten ersten vier Procol Harum-Scheiben. Da stellt sich grundsätzlich die Frage, ob man – wenn man schon im Besitz der Erstveröffentlichungen ohne Bonustracks oder zum Beispiel der letzten Wiederveröffentlichungen von Salvo aus dem Jahre 1999 mit vielen Extrastücken ist – noch mal zuschlagen sollte.

Esoteric Antenna bietet die CDs in einer 1-CD-Version sowie als Deluxe-DoCD-Version („Shine on Brightly“ sogar als 3 CD-Version) an, wobei hinsichtlich des geringen Preisunterschieds (bis auf die 3 CD-Fassung) und des großen Angebots an hörenswerten, auch bisher unveröffentlichten Stücken, die Deluxe-Fassungen einen eindeutigen Mehrwert aufweisen.

Soundtechnisch hat das Klangtüftler-Team Rob Keyloch (Digitale Überspielung von den originalen Masterbändern) und Ben Wiseman (24-bit digitales Remastering) ziemlich gute Arbeit geleistet. Auch, da die beiden den Dynamikumfang der Ursprungsaufnahmen fast bewahren konnten. Procol Harum klangen auf CD selten so luftig und knackig, da können sogar die MFSL-Bearbeitungen Ende der 80er/Anfang der 90er nicht mithalten

Die Aufmachung und der Inhalt der CD-Hüllen sind als exzellent zu bezeichnen. So kommen die Mehrfach-CD-Varianten in haptisch ansprechenden aufklappbaren Hochglanz-Digipacks bzw. einer Klappbox auf den Markt. 20- bzw. 24-seitige Booklets mit reichlich wissenswerten historischen Informationen und charmanten historischen Fotos bereichern den akustischen Genuss. Außerdem gibt es zu jeder Veröffentlichung ausfaltbare Poster (24 cm x 48 cm) mit den Songtexten auf der Rückseite und drei kleine Postkarten (7,5 cm x 12,5 cm) mit Tournee- bzw. Festivalmotiven in der „Shine On Brightly“-Box als zusätzliche Gimmicks.

PH_sameProcol Harums erstes Album ”Procol Harum” erschien im September 1967, nachdem sie im Mai 1967 mit ‚A Whiter Shade Of Pale‘ weltweit einen TOP 10 Hit landen konnten. Diese wie die Nachfolge-Single ‚Homburg‘ fanden damals mit ihren B-Seiten keinen Einzug aufs Debütalbum. Außerdem spielte man zu dieser Zeit Aufnahmen noch in Mono ein, wie auch „Procol Harum“, sodass bis heute keine reinrassige komplette Stereo-Veröffentlichung des PH-Debüts zu finden ist. Dafür hat man im Laufe der Jahrzehnte von den zehn originalen Tracks inzwischen sieben Stereo Mixe (zum Teil auch alternative Versionen) veröffentlicht, die alle auf CD 2 zu finden sind. Außerdem gibt es zur großen Freude eine frühe längere Stereo-Version von ‚A Whiter Shade Of Pale‘ (6:04) sowie eine längere Stereo-Version von ‚Homburg‘. Insgesamt findet man auf der DoCD im Gegensatz zur Originalveröffentlichung 27 Stücke mehr, wobei sieben Tracks von einer 1967er BBC-Session zum ersten Mal veröffentlicht werden. Beide CDs weisen einen mittleren Wert des Dynamikumfangs von DR 11 auf (Dynamic Range).

PH_shine on brightlyDas im September 1968 erschienene Nachfolgewerk „Shine On Brightly“, mit der außergewöhnlichen fast 18-minütigen psychedelischen Klassik-Rock Suite ‚In Held ‚Twas In I‘, wurde nun sogar als 3CD-Version in einer hochglänzenden Mini-Klapp-Box veröffentlicht. Die CDs sind in Mini-LP Covern mit unterschiedlichen Motiven eingelegt, wobei die Öffnungen für die CDs doch mal groß genug sind. Leider sind auch hier die CDs nicht in Schutzhüllen eingefasst, sondern liegen direkt in der Papphülle. Auf CD 1 findet man die originale Stereo-Version mit drei Bonus-Stücken. Diese sind die A & B Seite der Single ‚Quite Rightly So‘ sowie die italienische Fassung der Nummer in Mono mit dem Titel ‚Il Tuo Diamante‘. Auch in Italienisch klingt Meister Brooker überzeugend. Trotz ansprechenden Klangs weist CD1 lediglich einen durchschnittlichen Dynamikumfang von DR 9 auf.
CD 2 enthält dann eine bisher auf CD unveröffentlichte Fassung der Originalscheibe in Mono, wie sie im Dezember 1968 lediglich auf Vinyl erschienen war. Natürlich wurde auch für diese Aufnahme eine klangliche Bearbeitung vorgenommen. Für audiophile Freunde des Monoklangs ist die CD bestimmt eine Entdeckung, zumal man hier einen besseren Dynamikumfang von DR 11 reproduzieren konnte.
CD 3 (DR 10) bietet dann 17 Zusatzstücke, wobei acht Aufnahmen aus den „BBC Radio One Sessions“ von Februar bis Oktober 1968 stammen und nun zum ersten Mal das Licht der Welt erblicken.

PH_s salty dogIm Juni 1969 wurde des Rezensenten Lieblingswerk von Procol Harum veröffentlicht – „A Salty Dog“. Lieblingswerk unter anderem wegen der ersten Verknüpfung von gelungenen Orchesterarrangements von Gary Brooker und Matthew Fisher auf den drei Kompositionen ‚A Salty Dog‘, ‚Wreck Of The Hesperus‘ und ‚All This And More‘. Auf CD 1 findet man die zehn Originalaufnahmen. Der ursprüngliche Dynamikumfang der ersten Vinylscheibe von DR 12 wurde hier auf DR 9 reduziert. Allerdings wurde das Remastering so gekonnt umgesetzt, dass das neue Klangbild knackiger in den Tiefen, präsenter in den Höhen und insgesamt luftiger ertönt, ohne spitz oder blechern zu klingen.
CD 2 (DR 9) beinhaltet 12 Bonustracks, wovon bisher fünf Aufnahmen unveröffentlicht waren. Bei diesen unveröffentlichten handelt sich wieder um Versionen bekannter PH-Stücke aus „BBC Radio One Sessions“, diesmal vom Oktober 1968 sowie vom Mai 1969.
Auf „A Salty Dog“ arbeitete auch die Gründungsformation um das schöpferische Duo Brooker/Fisher zum vorerst letzten Mal zusammen. Erst zum von den meisten Kritikern stark unterschätzten Reunion-Werk „The Prodigal Stranger“ im Jahre 1991 fanden die zwei Urgesteine, auch mit dem damals wieder zurückgekehrten Robin Trower an der Gitarre, zum vorletzten Mal wieder zusammen. Das Ende der schöpferischen Zweisamkeit bildete das 2003 erschienene „The Well’s On Fire“.

PH_homeDen Abschluss der PH-Wiederveröffentlichungen von Esoteric Antenna bildet erst einmal das im Juni 1970 erschienene Album „Home“. Die Hammond-Orgel übernahm hier der neu hinzugekommene Bassist Chris Copping, der Anfang der 60er Jahre schon mit Brooker und Trower bei The Paramounts musiziert hatte. Auf CD 1 (DR 8) findet man wiederum die akustisch neu bearbeiteten neun Originaltitel von ‚Whisky Train‘ bis zu ‚Your Own Choice‘.
CD 2 (DR 9) kann mit 11 Zusatzstücken aufwarten, wobei drei unveröffentlichte Aufnahmen zu finden sind. Richtig vermutet, es handelt sich bei zwei Tracks (‚Your Own Choice‘ und ‚About To Die‘) um “BBC Radio One Sessions”, hier vom Mai 1970. Die dritte Unveröffentlichte ist die US-Radio Single-Version von ‚Whisky Train‘.

Resümee: Rundherum bietet Esoteric Antenna ein gelungenes Wiederveröffentlichungspaket der ersten vier PH-Scheiben, das von der Haptik, den Informationen sowie der akustischen Qualität und musikalischen Menge bisher seines gleichen sucht. Ob allerdings die Besitzer dieser Scheiben in den Versionen von zum Beispiel Repertoire Records (1997), Westside (1998/1999) oder Salvo (2009) noch einmal zuschlagen sollten, kann nicht unbedingt empfohlen werden. Immerhin gab es auf diesen früheren Versionen schon hörenswerte Bonustracks, die hier ebenfalls wiederzufinden sind. Und klangtechnisch hatte man auch hier bereits ordentliche Arbeit geleistet. Wer allerdings nur die Erstveröffentlichungen in seinem Besitz hat, sollte nun unbedingt zuschlagen.
Bewertung: Procol Harum – 14; Shine On Brightly – 13; A Salty Dog – 15; Home – 11

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Über den Autor

Musikmaniak seit den frühen 70ern zwischen Prog, Fusion, Hardrock, Stoner, Psychedelic/Space, Elektronik, Ambient, Chill-Out, Drum 'n' Bass, Soul, Funk, Folk, Pop, Singer-Songwriter und Klassik. WAS GAR NICHT GEHT: Rio/Avantgarde und Metal. LIEBLINGSKÜNSTLER: Pink Floyd, Beatles/Paul McCartney, Steven Wilson, Rolling Stones, Return To Forever, Procol Harum, Leonard Bernstein, Deep Purple, Yes/Rick Wakeman und Led Zeppelin.

2 Kommentare

  1. Klaus Bornemann

    Hallo Wolfram,
    ein toller Bericht! Habe mir daraufhin die Sammlung zugelegt und bin auch glücklich.
    Mir persönlich fehlt allerdings die Orientierung bei der Angabe „Dynamic Range“. Wie wird das berechnet und was?
    11 Punkte von 100 möglichen, ist etwas anderes als 11 Punkte von 12. Ich warte mit Spannung auf eine Antwort, Gruß
    Klaus Bo.

  2. Wolfram Ehrhardt am

    Der mir bekannte größte gemessene Dynamikumfang eines Musikstückes beträgt DR=36 (Acheron/Anti-God, Anti-Christ).

    Wenn die Töne in einem Musikstück alle gleich laut sind, hat man einen DR= 0. Das gibt es auch. Siehe beim letzten Link ‚dr. loudness-war‘.

    Genaueres siehe hier:
    http://www.dynamicrange.de/de/de/unser-ziel
    https://www.stereo.de/service/artikel/report-lautheitswahn-in-der-musikproduktion/
    https://de.wikipedia.org/wiki/Dynamik_(Musik)
    https://de.wikipedia.org/wiki/Loudness_war
    http://dr.loudness-war.info/album/list/dr-max/desc.

Antworten

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von Wolfram Ehrhardt Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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