Parzivals Eye – Defragments

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Parzivals Eye - Defragments(69:48, CD, Gentle Art Of Music/Soulfood, 2015)
Sechs Jahre nach „Fragments“ folgt „Defragments“. Chris Postl (ex-RPWL), der sich hinter dem Künstlernamen Parzivals Eye verbirgt, nahm sich die nötige Zeit, um seinen eigenem künstlerischen Anspruch und Perfektionsgedanken gerecht zu werden. Wie beim Debüt scharte er wiederum jede Menge Gastmusiker um sich, wie z.B. Ian Bairnson (Alan Parsons, Kate Bush), Christina Booth (Magenta) und Phil Paul Rissettio (ex-RPWL). Dabei ist seine musikalische Herangehensweise zwar im Progressive / Art Rock verwurzelt, geprägt jedoch von einer deutlich melodischen, harmonischen Sichtweise, die in erster Linie auf die weichen und warmen Sounds der 70er und 80er setzt. Die stilistischen Grenzen verschwimmen hier jedoch deutlich, so dass Schlenker hin in den Rock- bzw. Pop-Bereich und ganz leichte Beatles-Anleihen nicht fehlen.

Hatten beim Vorgänger Alan Reed (ex-Pallas) und Christina Booth fast komplett den Gesang übernommen, so wurde „Defragments“ zum Großteil von Chris Postl selbst eingesungen. Der Multi-Instrumentalist verfügt zwar über eine ordentliche, aber eben nicht besonders markante Stimme. So bleibt der Gesang eher durchschnittlich, während vor allem in den verspielten, wehmütigen Instrumentalparts die Stärken dieses Albums liegen. Gab es bereits auf „Fragments“ mit dem Crosby Stills Nash & Young Klassiker ‚Chicago‘ eine Coverversion, sind auf der aktuellen CD gleich zwei vertreten, die beide Christina Booth interpretiert. ‚Long Distance‘ – im Original, natürlich als ‚Long Distance Runaround‘, von Yes stammend – ist simpler arrangiert und verzichtet auf die Verschnörkelungen des Originals, während Supertramps ‚Two Of Us‘ einen bombastischeren Schlusspart abbekommt.

Was im Pressezettel als „Nichts soll der Musik die Magie des Traumverhangenen rauben“ umschrieben wird, bedeutet letztendlich, dass die dramatischen, härteren Parts des Vorgängers fast komplett fehlen, die Musik eher als relaxter, stetiger Fluss langsam ihren Weg sucht. Das sorgt für eine gewisse inhaltliche Gleichförmigkeit, die glücklicherweise immer wieder von ausgezeichneten, sehr gefühlvollen Gitarrensoli durchbrochen wird. Einzig der zweite Teil von „Walls In My Mind“ bringt mehr Dynamik und atmosphärischen Schwankungen ein und so gleich stellt sich mehr inhaltliche Tiefe und Spannungsmomente ein, wie auch das Album abschließende, ausgezeichnete „Hiding Out“ deutliche RPWL Verbundenheit erkennen lässt. Letztendlich offenbart „Defragments“ zahlreiche gute bzw. ordentliche Momente, erreicht aber insgesamt nicht das Niveau des Vorgängers „Fragments“.
Bewertung: 9/15 Punkten (KR 9, KS 9)

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„Defragments“ Trailer (YouTube)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Parzivals Eye – Defragments

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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